KUNST_FÜR_VIER 2026
Kunstausstellung im Park
In Kooperation mit dem Forum Oelde präsentieren 11 Künstlerinnen und Künstler des Kreiskunstvereins Beckum-Warendorf e.V. ihre Werke im Vier-Jahreszeiten-Park in Oelde. Eingebettet in die wunderbare Parklandschaft gibt es die Installationen und Skulpturen noch bis zum 27. September 2026 zu entdecken.
Es besteht die Möglichkeit, die Kunstwerke im Rahmen eines geführten Rundgangs kennenzulernen. Diese finden statt am So. 21.06. (16 Uhr), Sa. 11.07. (16 Uhr), Sa. 18.07. (15 Uhr), Mi., 12.08. (16 Uhr) und So. 23.08. (15 Uhr).
Näheres zu den Terminen finden Sie im Veranstaltungskalender...
Ursprung | Melanie Becker-Hoffmann
© Matthias GöddeMelanie Becker-Hoffmann hat eine konstruktive Form, die der Wirklichkeit entnommen wurde, aus miteinander verschmolzenen und sanft gebogenen Edelstahlbändern geschaffen. Diese verkörpert das Ei. Wie durch den prägnanten Titel angedeutet, verweist die Künstlerin damit auf dessen Bedeutung als weltweites Synonym des Schöpfungsursprungs sowie als Sinnbild von Neubeginn und Werden.
Anstelle der geschlossenen Ursprungsform, wie man sie mit dem Ei assoziiert, ist Melanie Becker-Hoffmanns künstlerische Schöpfung eine offene Konstruktion. Die Durchlässe und die behutsam geschwungenen Linienverläufe wirken der optischen Starre entgegen, sodass das Werk ebenso stabil wie fragil, unverrückbar wie beweglich und kompakt wie transparent erscheint. Die Leere zwischen den metallenen Linien ist kein Nichts, sondern von der Natur durchdrungen. Je nach Perspektive verändert sich der Blick. Aus naher Sicht nimmt man kleine Ausschnitte, aus ferner Sicht ein zersplittertes Panorama der Umwelt wahr.
Das Rot verleiht der Arbeit eine besondere Strahlkraft und setzt mit seiner starken Signalwirkung ein kraftvolles Zeichen für Erneuerung, Vitalität und Anfang. Durch seine anregende Wirkung bildet das Werk einen herrlichen Kontrast zum umliegenden Naturterrain im Vier-Jahreszeiten-Park. Die Interaktion zwischen Natur und Kunstwerk, zwischen Form, Farbe und Rhythmus, bleibt ungebrochen – ein stimmiges und stetes Miteinander an diesem spezifischen Ort.
Melanie Becker-Hoffmann | Ursprung - Edelstahlskulptur, rot beschichtet (2026)
Insel | Basilius Kleinhans
© Matthias GöddeBasilius Kleinhans reflektiert in seinen Werken über den Lebenskreislauf, den steten Wechsel von Werden und Vergehen sowie über die existentiellen Fragen des menschlichen Daseins. Dies zeigt sich in seinen bevorzugten Darstellungen von Booten, Leitern, Sonnenstrahlen sowie Nacht- oder Sternenhimmel.
Der Bildhauer beherrscht die Kunst der Reduktion. Das heißt jedoch nicht, dass seine auf das Wesentliche beschränkten künstlerischen Arbeiten leicht zu verstehen sind. Die Bronzeplastik „Insel” zeichnet sich durch eine Klarheit aus, die auf den ersten Blick erkennbar ist. Sie zeigt starre stereometrische Formen, harmonische Proportionen und eine genaue Komposition und gibt dennoch viel Raum für unterschiedliche Assoziationen. Gezeigt wird ein stilles, menschenleeres Eiland mit vier hohen, fenster- und türlosen Häusern, die auf engstem Raum mittig zugewandt sind. Es ist die bis zur höchsten Einfachheit perfektionierte Darstellung einer in sich geschlossenen, knapp begrenzten und klar strukturierten Welt – ein Miniuniversum, das Ruhe, Verlassenheit und Melancholie ausstrahlt.
Die Bronze, seit der Antike ein beliebtes Material, wirkt teilweise strukturhaft. Ihr Grün changiert je nach Lichteinfall oder Betrachtungswinkel, sodass die Darstellung an Lebendigkeit gewinnt. Eine Insel wird oft als Sinnbild eines Ortes der Sehnsucht, des Abenteuers oder als Gegenentwurf zur Gesellschaft verstanden. Trotz der spartanischen Darstellungsweise erweckt das bildhauerische Werk von Basilius Kleinhans ambivalente Gefühle und zeigt eine hohe Präsenz.
Basilius Kleinhans | Insel - Bronze, teilweise vergoldet (2026)
KEIN 4ECK und 2P450 | Wolfgang Lamché
© Matthias GöddeDie beiden großen Bodenplastiken zählen zu den geometrisch-abstrakten bildhauerischen Konstruktionen aus Edelstahl von Wolfgang Lamché. Bei seiner Stahlplastik 2P450 ist es Wolfgang Lamché gelungen, zwei Elemente so zu verknüpfen, dass sie eine komplexe und kraftvolle Einheit bilden. Flächen, Diagonalen und Kanten sowie Durchbrüche und sogar Lücken verbinden sich zu rhythmischen Bewegungsformen und bilden ein energiegeladenes Miteinander im Raum. Durch die regelmäßigen bzw. progressiven Wiederholungen dieser Bewegungen entsteht eine Anmutung von Leichtigkeit sowie ein dynamischer Fluss. Das Auge wandert stetig und nimmt veränderte Formen und Raumbeziehungen wahr. Von allen Seiten eröffnen sich neue Perspektiven und es entsteht ein anderer Blick auf das Werk und die Interaktion zwischen Kunst und Natur.
© Matthias GöddeDer Edelstahl, ein witterungsbeständiges und strukturell langlebiges Metall, das ebenso stabil wie fragil wirkt, reagiert sehr differenziert auf die unterschiedlichen Lichtverhältnisse und den umliegenden Raum – wie kein anderes Material. Er hat die zauberhafte Eigenschaft, Licht, Farbe und Bewegung in sich aufzunehmen und im gleichen Moment wieder auszusenden – ein immerwährendes Spiel von Raum und Zeit, Licht und Schatten, Konkretem und Poesie. Neben Bronze zählt dieser edle Stahl zu Wolfgang Lamchés wichtigsten Werkstoffen. In ihm sieht er das beste Mittel, um die Anmutung von Lebendigkeit, Bewegung, Dynamik und Energie zu erzeugen.
Wolfgang Lamché | KEIN 4ECK - Edelstahl (2005) und 2P450 Edelstahl (2006) www.lamche.com
Jahreszeitenwechsel | Martina Lückener
© Matthias GöddeBei Martina Lückeners Riefelbild (Riffelbild) findet die Entdeckung der Kunst nicht rasch, sondern prozesshaft, im wahrsten Sinne Schritt für Schritt, statt. Es gilt, den richtigen Betrachterstandort auszuloten, denn erst dann können die segmentartig auf den Metallstreifen angebrachten Bildteile als komplette Darstellung präzise und vollständig erfasst werden.
Die zweiseitig angelegte Arbeit zeigt auf jeder Seite zwei Schilderungen, die zusammen auf den jahreszeitlichen Wechsel verweisen: Winter/Sommer auf der einen und Frühling/Herbst auf der anderen Seite. Das verwendete Baummotiv hat die Künstlerin malerisch so variiert, dass jeweils eine Darstellung mit einer bestimmten Jahreszeit assoziiert werden kann. Der Wandel und die Üppigkeit der Farben in den Bildern entsprechen der Veränderung der Jahreszeit. Mit ihrer augentäuschenden Arbeit gelingt es Martina Lückener vortrefflich, die Besucherinnen und Besucher zu aktivieren und sie zum Nachdenken über Schein und Sein anzuregen.
Riefelbilder traten erstmals im 17. Jahrhundert in Erscheinung und waren vor allem im 18. und 19. Jahrhundert eine beliebte Darstellungsform. Durch Martina Lückeners modernes Werk rückt diese historische Darstellungstechnik, die handwerkliches Geschick voraussetzt, wieder ins Bewusstsein und erfährt eine erfrischende Würdigung. Ähnliche Techniken mit 3-D-Effekt werden heutzutage bei der Erstellung von Postkarten angewendet.Martina Lückener | Jahreszeitenwechsel - Riefelbild (2026)
4+2 | Andreas Magera
© Matthias GöddeDie Arbeit von Andreas Magera erinnert an einen Wegweiser. Dessen quaderförmige Arme, die rechtwinklig an den Mittelpfosten angebracht sind, scheinen in die vier Himmelsrichtungen zu zeigen. Tatsächlich wegweisend im herkömmlichen Sinn ist die bildhauerische Arbeit allerdings nicht, denn die Armsäule trägt keine Bezeichnungen. Mit seinem Werk will Andreas Magera insbesondere auch auf die metaphorische Ebene hinweisen. Es soll ausdrücken, dass alle Wege offenstehen und alles möglich ist. Darin schwingt die uralte Vorstellung von tiefer Zuversicht und Gottvertrauen mit. Die Enden der Arme umschreibt ein Quadrat, das für Stabilität, Festigkeit und Ruhe steht.
Die gelben, grünen und grauen Töne des hochwertigen Ruhrsandsteins aus der Region und dessen natürliche Struktur verleihen der Arbeit eine warme Ausstrahlung. Gleichzeitig bieten die Fugen und Spalten der Mauer vielen Insekten und Kleintieren einen natürlichen Lebensraum. Auch wenn Gestein als anorganische, also unbelebte Materie gilt, spielte es bei der Entstehung des Lebens eine entscheidende Rolle. Gesteine sind also keineswegs für die Ewigkeit geschaffen, sondern unterliegen einem andauernden Wandel.
Als Grabsteingestalter arbeitet der Bildhauer ebenfalls mit Naturgestein und Elementen aus Bronze. Wie bei seiner künstlerischen Arbeit entstehen aus Form und Material Werke, die ein ästhetisch stimmiges Ganzes ergeben und von tiefgründigem, symbolischem Gehalt sind.
Andreas Magera | 4+2 - Ruhrsandstein (2026) www.andreas-magera.de
Luca & Lena und 4 Kakteen | Sven Henric Olde
© Matthias GoeddeSven Henric Olde erfindet mit Vorliebe bildsprachliche Geschichten. Seine Erzählung Luca & Lena, die auf dem überlieferten Märchen „Hänsel und Gretel“ basiert, hat er für die bereits vorhandenen Stelen im Park bestimmt. Seine zwölfteilige Arbeit ist als Mitmach-Suchspiel angelegt, bei dem man den Verlauf der Geschichte individuell variieren kann.Frei von figürlichen oder gegenständlichen Motiven wird die mit knappen Textzeilen versehene Geschichte hauptsächlich mit Formen, Farben und Strukturen erzählt. Die vielschichtigen, transparent leuchtenden Kompositionen, die zarte Klangteppiche aus den Farben Rot, Gelb und Grün bilden, wirken mit ihrer duftigen Atmosphäre wie Traumlandschaften, in die man sich förmlich hineingezogen fühlt. Die poetischen Bilder, die durch die warmen Farben und die spielerische Leichtigkeit der Formen alle Generationen ansprechen, beflügeln in allen Momenten – sei es beim Erkunden, Innehalten oder Reflektieren – die eigene Vorstellungskraft.
© Matthias GöddeBei seiner zweiten Arbeit verknüpft Sven Henric Olde virtuelle Phänomene mit realen Situationen, wodurch Landschaften mit surrealen Anmutungen entstehen. Über einen QR-Code können Besucherinnen und Besucher ihre eigenen fantastischen Welten erschaffen, indem sie sich interaktiv durch den Park bewegen und dabei digitale Kakteen pflanzen.
Sven Henric Olde | Luca & Lena - 12-teilig, Mixed media (2026) und 4 Kakteen - Digitalkunst (2026)
Luftfragmente | Birgit Rumpf
© Matthias GöddeBirgit Rumpf ist fasziniert von unsichtbaren, immateriellen Kräften, die kinetische Energie besitzen und denen das Moment des Flüchtigen eigen ist. „Wenn man Worte auf Papier bannen kann, warum dann nicht auch Sonnenstrahlen und ihre Wärme?“, fragt die Künstlerin, die es auf geniale Weise vermag, Phänomene wie Tau, Wind und Luft zu sammeln, zu fixieren und zu bewahren.
Ihre raumgreifende Installation „Luftfragmente” umfasst vierzehn transparente Platten aus Epoxid, einem sehr witterungsbeständigen, formstabilen und isolierenden Werkstoff. In die Platten sind fragile Papierfragmente eingefasst, die Spuren und Strukturen einstiger Luftbewegungen in sich tragen. Die an feinen Drahtseilen befestigten Plattenelemente mit dem darin geschützten, feinbesaiteten papiernen Inhalt sind in unterschiedlicher Höhe und mit Abstand zueinander platziert. Sie hängen völlig freischwebend in einem „Baumraum“ und reagieren sensibel auf jede Art von Luftbewegung. Vergangene Phänomene von Luft und Wind sind fixiert, während aktuelle auf die Installation einwirken – Einstiges verschmilzt mit dem Hier und Jetzt. Zeit und Ort überlagern sich, wodurch ständig neue Sinnesreize und Erwartungen entstehen. Über einen QR-Code können vertiefende Informationen wie Fotografien und Texte zu den vorherigen Projektphasen abgerufen und der Entstehungsprozess dieses rätselhaft erscheinenden und emotionsgeladenen Werkes nachvollzogen werden.
Birgit Rumpf | Luftfragmente - 14-teilig, Papier, Epoxidharz, Nähgarn, Edelstahlseile (2014 – 2026)
Erkenne dich selbst I und II | Jürgen Schubbe
© Matthias GöddeJürgen Schubbes künstlerisches Schaffen widerspiegelt eine intensive Auseinandersetzung mit dem Menschen. In seiner Arbeit „Erkenne dich selbst” thematisiert er die Selbstreflexion und die Besinnung auf die Gedanken, Gefühle und Handlungen des eigenen Ichs. Die mit der Kettensäge entstandenen Skulpturen wirken durch die Rundung der stilisierten Köpfe kräftig, grob und archaisch. Derbe und zarte Einschnitte im unebenen Holz wirken wie Risse, Verletzungen und Verwundungen. Die Skulpturen senden eine geheime Spannung aus. Sie scheinen dem Wandel der Zeit ausgesetzt zu sein, dennoch scheinen sie dem Verfall zu trotzen. Jürgen Schubbes abstrakte bildnerische Formen beschwören eine zweite, höhere Wirklichkeit herauf, die treffender als jede reale Darstellung das innere Wesen bezeichnet. Beim Betrachten ist durch die besondere Gestaltung der Köpfe die Aufforderung zur Selbstreflexion dechiffrierbar. Auf der rechten Seite des Eisensockels, der die Holzskulptur trägt, ist der Titel des Werkes vermerkt.
Jürgen Schubbe | Erkenne dich selbst I und II - Eichenholz mit Kettensägen bearbeitet und weiß gefasst, Eisensockel (2024)
Menschenkette | Jürgen Schubbe
© Matthias GöddeJürgen Schubbes künstlerisches Schaffen widerspiegelt eine intensive Auseinandersetzung mit dem Menschen. Wie bei seinen Köpfen geht es ihm bei der Darstellung „Menschenkette” nicht um das Porträthafte. Die Einheitlichkeit der stilisierten, gesichts- und geschlechtslosen Gestalten mit ihren erhobenen Armen ist Ausdruck von sozialer Konformität. Fremde werden zu Freunden. Ihre Anordnung entspricht der Form der auf- und untergehenden Sonne. Die puristisch gestaltete Arbeit aus Edelstahl erhält durch das Zusammenspiel des feinen Materials mit Licht und Wasser einen besonderen optischen Reiz.
Jürgen Schubbe | Menschenkette (2026)
Bank für Niemanden I und II | Elke Seppmann
© Matthias GoeddeIn ihren Arbeiten reflektiert Elke Seppmann über alltägliche Begebenheiten – mal mit ernstem Hintersinn, mal mit heiterem Augenzwinkern. Mit ihren aus Kiefernholz gefertigten und mahagonifarben gestrichenen Objekten denkt man unvermittelt an Parkbänke – jene Sitzmöbel im öffentlichen Raum, auf denen man seinen Gedanken nachhängen, sich ausruhen, träumen oder sich mit anderen treffen, reden oder diskutieren kann. Parkbänke, die sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Grünanlagen etabliert haben, geben den Räumen Struktur, Orientierung und Geborgenheit. Sie bieten einen Platz, um ein Stück Landschaft um sich zu haben oder den Ausblick auf die Natur zu genießen.
Auf den Bänken von Elke Seppmann kann man jedoch weder Platz nehmen noch Platz behalten. Die eine bietet eine abgleitende Schräglage zur Seite, die andere bietet durch zu viele Zwischenlehnen uneinnehmbare Engpässe. Diese künstlerische Verfremdung verführt zu Gedankengängen und ruft Assoziationen hervor. Es ist bekannt, dass die Parkbank der Gründerzeit spätestens dann ihre demokratische Institution verlor, als auf ihr „Nicht für Arier” stand. Und auch zu etlichen anderen Zeiten war und ist es für manche Menschen und soziale Gesellschaftsgruppen nicht erlaubt, Parkbänke selbstverständlich zu nutzen. Elke Seppmann hebt die primäre Gebrauchsfunktion des Alltagsgegenstandes auf, um neue ästhetische, symbolische oder inhaltliche Qualitäten zu schaffen und unsere Denkmuster zu hinterfragen.
Elke Seppmann | Bank für Niemanden I und II - Kiefer lasiert / lackiert (2026)
Das Innenleben der Bäume – Visibilis | Carmen Stock
© Matthias GoeddeFür Carmen Stock ist die Natur eine große Inspirationsquelle. Sie ist für die Künstlerin ein Ideal, um die Menschen dafür zu sensibilisieren, ihre Schönheit wahrzunehmen und ihren Wert zu erkennen. Jede der vier fotografischen Darstellungen wirkt wie ein expressives, mehrschichtiges, zerklüftetes Geschehen aus Formen, Farben und fließenden Gespinsten, das die Fläche in frei flottierendem All-Over überzieht. Dieses wilde Spiel erinnert an die gestischen Darstellungen des Informel mit seinen geistigen Räumen, die irgendwo zwischen Explosion und Kontemplation sowie Konzentration und Spontaneität liegen.
Es sind Aufnahmen vom Inneren von Bäumen. Carmen Stock möchte damit auf die unterschiedlichen Erscheinungsbilder im Kern von Baumstämmen aufmerksam machen. Diese unterscheiden sich je nach Holzart, Alter und Zustand in Farben, Strukturen und Spuren. Gleichzeitig verweist sie auf Werden und Wachsen, Wandel und Vergehen. „Unser eigener Lebenskreislauf spiegelt sich in den Bäumen wider“, sagt die Künstlerin. „Selbst beim Absterben hinterlassen Bäume die Spuren der Jahreszeiten, durch die sie gegangen sind.“ In Carmen Stocks Arbeiten stecken viel Kraft, farbliche Delikatesse und spiritueller Tiefgang, wie man sie insbesondere in der Natur erleben kann. Die fotografischen Darstellungen wurden weder nachbearbeitet noch verfremdet, sondern sind naturbelassen. Jede der Fotografien erscheint wie ein einzigartiger, farbiger Fingerabdruck.
Carmen Stock | Das Innenleben der Bäume – Visibilis 4-teilig, unbearbeitete Fotos auf Alu-Dibond (2026)
Pilgerstäbe I + II und Spurensuche | Ludger Wörtler
© Matthias GoeddeDie Darstellung der Pilgerstäbe entstand im Zuge der Auseinandersetzung des Künstlers mit Joseph von Nazareth, jenem Heiligen, der als Pilger des Glaubens galt. Ein wichtiges Attribut ist seit jeher der Pilgerstab, der auch ein beliebtes Motiv in der christlichen Kunst ist. Der Pilgerstab ist das sichtbare Zeichen der Pilgerschaft und symbolgeladen. Er ist ein Sinnbild, das den Menschen auf seinem Weg durch Natur und Städte und auch zu sich selbst begleitet. Pilgerreisen unternimmt man allein oder gemeinsam. Ludger Wörtlers Installation besteht aus mehreren Stäben, die ordentlich gestapelt sind. Die geordneten Bündel bilden eine kompakte, nahezu geschlossene Blockform, die kaum Raum in ihrem Inneren lässt. Gleichzeitig entsteht der Eindruck von Instabilität und Zerbrechlichkeit, der von den schlanken Hölzern mit ihrer fein gemusterten Bemalung hervorgerufen wird. Einerseits werden Ruhe, Statik und Strenge artikuliert, andererseits Bewegung, Lebhaftigkeit und Energie. Das Werk, das keine sichtbare Botschaft vermittelt, bewahrt in dieser Ambivalenz das für die Kunst wesentliche Prinzip des Geheimnisvollen. Es vermag die Betrachtenden auf eine innere Reise zu schicken und zu Achtsamkeit, Selbstreflexion und eigenen Gedankengängen zu verführen.
Das aus Sandsteinmasse, Acryl und Ölfarbe gefertigte Objekt „Spurensuche” steht sinnbildlich für Mann und Frau. An Bäumen präsentiert, hat das Werk in Anmutung eines Kokons eine verblüffende biologische Präsenz als Symbol der Umwandlung und des Schutzes.
Ludger Wörtler | Pilgerstäbe I und II - Hölzer, Farbe, Schlacke (2026) und Spurensuche - Sandsteinmasse, Acryl, Öl (2005) www.ludgerwoertler.de
